Frauke ist frustriert

Frauke lebt allein mit ihrer sechsjährigen Tochter und das jetzt schon seit etwa vier Jahren. Der Ex war irgendwann weg und ist längst wieder anderswo untergekommen. Nur bei Frauke klappt es nicht.

Als Psychotherapeut habe ich natürlich sofort das Unbewusste im Verdacht. Wenn das nämlich keine Beziehung will, dann kriegt man auch keine. Hintergrund sind dabei alte Erfahrungen, die heute noch die Person steuern, obwohl sie aus ganz anderen Zeiten stammen. Die Tatsache, dass Frauke sofort diverse Situationen benennen kann, in denen sie auch schon einmal verlassen worden war, nehme ich als erste Bestätigung für meinen Verdacht. Als sie dann schließlich davon spricht, dass sie dieses ständige Alleinsein und dabei hohe Anforderungen zu erfüllen (Arbeit, Haushalt, Kind), schon seit Kinderzeiten kennt, bin ich mir sicher und deshalb schauen wir noch für ein paar Sätze zurück auf ihre Kindheit. Zuerst war sie wohl – zumindest gefühlt – verlassen worden, als ein Bruder nur elf Monate später auf die Welt kam und dieser fatalerweise für ihre Eltern der ersehnte Traumprinz war. Sie fühlte sich seither abgeschrieben und an den Rand gedrängt. Darüber hinaus musste sie auch noch – viel zu früh in ihrem Leben – auf diesen Bruder aufpassen und ebenso auf eine noch nachfolgende kleine Schwester. Verlassen und überfordert, sie hatte jahrelang Zeit, sich an dieses Gefühl zu gewöhnen.

Die eigene Psyche versteht dann irgendwann, dass ein Leben auf dieser Erde für die eigene Person offensichtlich genauso ablaufen muss: verlassen und überfordert sein. Konsequenterweise setzt die Psyche das dann auch radikal um. Da ist es dann gleich, ob man bewusst etwas anderes will, das spielt gar keine Rolle. Die unbewusste Psyche interessiert sich überhaupt nicht für das plappernde Bewusstsein, um so ein Lebensprinzip – verlassen und überfordert – durchzusetzen, braucht sie es auch keinesfalls. Das macht sie ganz allein.

Fraukes Bewusstsein ist aber dennoch frustriert. So hatte sie sich ihr Leben nicht vorgestellt. Was tun? Die Antwort ist vom Prinzip klar: Wir müssen ihrer Psyche beibringen, dass jetzt ein anderer Wind weht. Von der Logik her wäre das ganz einfach: Hätte Frauke von Anfang an eine großartige Kindheit gehabt, wäre ihre Psyche anders strukturiert und das Problem wäre überhaupt nicht vorhanden. Obwohl es manchem Leser vielleicht merkwürdig vorkommt, sich mit dieser Frage zu beschäftigen – weil man die eigene Kindheit doch nicht ändern kann – bekommt man mit genau diesem Ansatz einen Schlüssel zur Lösung des Problems in die Hand.

Auf die Aufgabe, sich eine gute Kindheit auszudenken, lässt sich Frauke sehr gerne ein. Es tut ihr vom ersten Moment an richtig gut, diese Gedanken auszuspinnen. In ihrer Vorstellung wäre sie das einzige Kind gewesen, vielleicht wäre noch viele Jahre später eine kleine Schwester gekommen, vielleicht auch ein Bruder, aber auf jeden Fall nicht zu so einem frühen Zeitpunkt, wie sie es erleiden musste. Aber wenn man sich schon was wünschen kann, warum dann nicht die geschwisterlose Kindheit? Dazu noch Eltern, die jede Menge Zeit und Liebe zur Verfügung haben, die einem genügend Miteinander und genau die Aufmerksamkeit schenken die man braucht … Gerne nimmt Frauke meine Verbesserungsvorschläge an und konzentriert sich jetzt auf den positiven Kern ihrer Vorstellung.

Was bringt dieser Ansatz? Löst der tatsächlich das Ausgangsproblem, die fehlende Beziehung von Frauke? Es funktioniert wirklich! Weil unsere Psyche lernfähig ist.

Lebenslang ist sie in der Lage, sich an neue Bedingungen anzupassen und auch alte Verhaltensmuster an den inneren Nagel zu hängen, vielleicht sogar umzuschreiben. Man muss der Psyche nur sehr genau sagen was man will. Weil Frauke die Grundlage für ihre Beziehungsabstinenz schon in der Kindheit gelegt hatte, macht es in diesem Fall Sinn, mit der Lernkorrektur schon in der Kindheit anzufangen. Die Eltern sollen für sie da sein und sie soll auch nicht durch die Fürsorge für die jüngeren Geschwister überfordert werden.

Nicht in jedem Fall muss man in der Kindheit anzufangen, wenn man seinem eigenen Unbewussten etwas Neues beibringen möchte. In meinem Buch: „Neue Lösungen für vertraute Probleme“, vermittele ich sehr detailliert, wie jeder die zu seinem Problem passende Antwort finden kann.

Das Ziel sind Erinnerungen oder eine Fantasie, eventuell gemischt mit Erinnerungen, in der die Psyche bisher fehlende Erfahrungen nachholen kann. Bei Frauke ist es zum Beispiel die Fantasie, als Einzelkind aufgewachsen zu sein. In diesen inneren Film mischt sie reale Erfahrungen aus Zeiten, als sie bei ihrer Tante die Ferien verbrachte. Da war es für einige Wochen nämlich ganz genauso, als wäre sie ein Einzelkind.
Wichtig ist vor allem, dies nicht nur ein einziges Mal zu machen. Eine Fantasie wird zwar im Kopf als Erfahrung bewertet, aber um jahrelang trainierte Muster zu verändern, muss man schon ein bisschen dranbleiben und für einige Wochen regelmäßig üben. Das kostet aber nicht Stunden, sondern nur wenige Minuten, verteilt über den Tag.

Frauke schaut jedes Mal etwa ein bis zwei Minuten, manchmal sind es auch ein paar mehr. Aber sie macht das etwa drei bis fünfmal am Tag. Auf diese Art und Weise bringt sie ihrer Psyche bei, was diese jetzt als Ausgangspunkt für das Handeln nehmen soll.

Erfahrungen, die öfter geschehen, werden in unserer inneren Datenbank weiter vorne gelagert. Je öfter Frauke also in ihren guten Film einsteigt, um so schneller wird es für ihre Psyche ganz normal, sich geliebt zu fühlen und in einer Umgebung zu sein, in der sie sich sicher fühlt. Weil so ein guter Film eine so tiefgehende Wirkung hat, habe ich mir angewöhnt, dafür den Begriff: „Schlüssel zur Psyche“ zu verwenden.

Bislang war die Standardüberzeugung in Fraukes Kopf, verlassen und überfordert zu sein. Deshalb hat ihre Psyche auch keinen Mann in ihr Leben gelassen und wenn sie es denn doch tat, ließ sie nur solche zu, die auch irgendwann wieder gehen würden.
Das, was wir jetzt für Frauke getan haben, könnte man durchaus auch als positive Diät für ihre Psyche bezeichnen. Mit dieser Diät, zieht ein ganz anderes Klima in das Leben von Frauke. Schon nach einigen Wochen mit ihrem neuen Lebensgefühl, lernt sie einen Mann kennen, einen der sich tatsächlich auf sie einlassen kann. Und weil das alles inzwischen schon eine Weile her ist (zwei Jahre) und es immer noch gut läuft, bin ich mir sicher, dass sich im Leben von Frauke etwas ganz grundlegend verändert hat.

Buch: „Neue Lösungen für vertraute Probleme“
Entdecken Sie den Schlüssel zu Ihrer Psyche
Reinhardt Krätzig
Paperback, 232 Seiten – 12,99 €, E-Book – 7,99
ISBN-13: 978-3-7448-0206-2
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 09.05.2017
Online, z.B. hier zu finden:
Bei Amazon
Beim Verlag BoD
(Das Bildmaterial stammt von der kostenlosen Bilddatenbank pixabay.com. Vielen Dank dafür!)

Traue keinem schlechten Gefühl

Schlechte Gefühle? Missmutig, belastet, sauer? Vorsicht, denn die meisten schlechten Gefühle entstehen einfach nur, weil unsere unbewusste Psyche irgendetwas aus der Gegenwart, mit Erfahrungen aus den eigenen ersten Lebensjahren verbindet.

Weil der Partner schief kuckt, fühlt man sich plötzlich genauso wie damals, als Vater oder Mutter schief geschaut hatten. Damals fühlte man sich abgelehnt, hatte das Gefühl etwas falsch gemacht zu haben oder ähnliches. Heute fühlt man sich genauso, obwohl das damalige Geschehen und der schiefe Blick des Partners überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Die meisten schlechten Gefühle entstehen aufgrund solcher internen Fehlschaltungen in der Psyche.

In meinen Büchern vermittele ich zwei Möglichkeiten mit schlechten Gefühlen umzugehen. Die erste besteht darin, der eigenen Psyche unmissverständlich mitzuteilen, dass diese Gefühle jetzt nicht angesagt sind. Diesen Weg vermittle ich im Buch: „Mir geht es wieder gut“. Hier lernen Sie eine einfache – ähnlich wie eine Hypnose funktionierende – Technik. Diese hat auch den Vorteil, dass Ihre Psyche dabei grundsätzliche Lernprozesse macht, wenn Sie die Methode nur eine Weile konsequent benutzen. Ihre Tendenz zu schlechten Gefühlen in bestimmten Situationen wird immer weniger.

Die zweite Möglichkeit greift noch etwas tiefer in die eigene Psyche ein, kurz gesagt bringen wir ihr bei, dass die Vergangenheit längst vorbei ist und deshalb die alten Erfahrungen heute nicht mehr als Bezugspunkt genutzt werden müssen. Sie schließen also ein Stück mit der Vergangenheit ab und kommen mehr in Ihrer wirklichen Gegenwart an. Und dann werden Sie schnell erkennen, dass der schräge Blick des Partners kein Grund zur Sorge ist.
Das dazu gehörige Buch heißt: „Neue Lösungen für vertraute Probleme“. Sie werden angeleitet, Ihren ganz persönlichen „Schlüssel zur Psyche“ zu finden und diesen so zu nutzen, dass Ihre Psyche nicht mehr auf die alten Problemmuster zurückgreift.

Das dritte Buch „Paare in Krisen“ ist auf dieser Liste, weil sich die meisten Gelegenheiten, sich von schlechten Gefühlen verführen zu lassen, in der Zweierbeziehung ergeben. Das Buch gibt Ihnen einen Einblick in die unbewusste Psychodynamik einer Partnerschaft und zeigt Ihnen, wie Sie diese Verstrickungen erkennen und verhindern. Gelingt das mal nicht, finden Sie die besten Mittel, um aus schlechten Gefühlen heraus zu kommen, in den anderen beiden Büchern.

Alle Bücher finden Sie bei Ihrem Lieblingsbuchhändler im Internet – bei BoD.de, Amazon.de etc. kann man auch in die Bücher schon mal hineinschauen. Auch im Buchhandel können sie bestellt werden.

Weitere Informationen finden Sie auch auf meiner Webseite: www.reinhardt-kraetzig.de/books.html