Frieden unterm Weihnachtsbaum.

Haben Sie schon einen Plan? Sollten Sie aber! Insbesondere jene, die schon öfter zu Weihnachten unter den Spannungen und Reibereien in ihrer Partnerschaft gelitten haben. Krisen in einer Partnerschaft sind kein Zufall! Sie geschehen, weil zu einer guten Partnerschaft eben auch gehört, sich mächtig in die Haare kriegen zu können. Und die großen Erwartungen, welche die Weihnachtszeit bei vielen weckt, sind ein idealer Nährboden für entsprechend große Konflikte.

Kann man etwas dagegen tun? Ja, wenn man ein bisschen über die Psychodynamik einer Partnerschaft weiß, kann man manches vermeiden. Ich möchte Sie  auf ein Buch aufmerksam machen, das Ihnen dabei helfen kann. Es heißt: „Paare in Krisen“ und ist eine gute Navigationshilfe für schwierige Zeiten. Insbesondere wenn man das Buch nicht erst aufschlägt, wenn man schon mittendrin im Konflikt steckt. Deshalb melde ich mich hier rechtzeitig vor Weihnachten bei Ihnen, damit Sie gut vorbereitet sein können.

Mit dem folgenden Link kommen Sie direkt zum Buch bei Amazon, Sie bekommen es aber auch bei jedem anderen Buchhändler. Es hat etwa 200 Seiten und kostet 12,50 Euro.

Paare in Krisen bei Amazon

Wenn Sie mehr über den Inhalt erfahren wollen, könnte mein Beitrag vom 12. September 16 „Im Urlaub sind wir ein Traumpaar – zu Hause eine Katastrophe“ Ihnen weiterhelfen.

Übrigens: Die 1. Auflage von „Paare in Krisen“ hieß „Streitpaare“. Ich habe noch einige Exemplare der 1. Auflage bei mir zu liegen und möchte sie gerne loswerden. Damit das etwas leichter vonstatten geht, habe ich den Preis inklusive Versand auf acht Euro reduziert. Schreiben Sie mir nur eine kurze E-Mail und ich sende Ihnen das Buch inklusive einer Rechnung umgehend zu.

Ich wünschen Ihnen ein friedliches Weihnachten

Ihr Reinhardt Krätzig

Im Urlaub sind wir ein Traumpaar – zu Hause eine Katastrophe

Die Urlaubszeit ist vorbei … oh weh!

Ein paar Worte zu meinem Buch: „Paare in der Krise, Navigationshilfe für schwieriges Gelände“

Sind Sie auch so ein Paar, das im Urlaub gut miteinander klar kommt, viel besser als zu Hause? Und bringen Sie mit der Heimkehr auch die Hoffnung mit, dass es jetzt zuhause besser wird? Aber dann ist schon nach wenigen Stunden alles wieder wie vorher! Die ungeliebte, angespannte Atmosphäre ist wieder da, Missverständnisse, Anmache, schlechte Laune, Streitereien etc. reihen sich wie Perlen auf eine Kette … oh weh.

Wieso klappt es im Urlaub miteinander und nicht zuhause? Wieso kann ein Paar  so verschieden ticken?

Ich kann Ihnen Antworten auf die Frage geben. Antworten, die Ihnen dabei helfen, das Geschehen in Ihrer Beziehung nicht nur besser zu verstehen, sondern auch wirksam eingreifen zu können. Das Ziel: Zuhause so miteinander leben können, wie im Urlaub.

Fangen wir an:

In den meisten Paartherapien klagen beide Partner darüber,
dass sie sich von dem anderen nicht genügend wahrgenommen
fühlen: »Er sieht mich nicht«, »Sie hört mich nicht«. Meist wird
diese fehlende Zuwendung als Beweis dafür gewertet, dem anderen
nicht wirklich wichtig zu sein. »Er nimmt mich nicht ernst«,
»Sie akzeptiert meine Einwände nicht«, »Er zieht immer nur seins
durch, egal was ich sage« …

Wenn man ein bisschen nachfragt, zeigt sich sehr schnell, dass alle Partner das, was sie am Gegenüber bemängeln, auch schon aus ihrer Kindheit kennen. Die Suche nach Beachtung, Wertschätzung, ernst genommen werden etc. ist also ein Beziehungsimport – mitgebracht aus längst vergangenen Tagen.

Krisen entstehen immer genau dann, wenn diese mitgebrachten Themen (meist unbemerkt – auch von der Person selber) in das Geschehen eingeflochten wurden. Eigentlich banale Probleme werden so zu Sprengstoff-Themen. So verhandelt man scheinbar über den ungeleerten Mülleimer, den offenen Toilettendeckel, den ungetätigten Einkauf oder ähnliche Kleinigkeiten, aber tatsächlich debattiert man – ohne es zu wissen – Fragen von grundsätzlicher Wichtigkeit. Zum Beispiel so etwas wie: „Bin ich wichtig“, „bin ich liebenswert“, „kann ich dir vertrauen“, „vertraust du mir“ etc. Eine falsche Antwort wird dann leicht als Infragestellung der Person und daher als Kriegserklärung   verstanden. Weil es um so grundlegende Fragen geht, gehen auch die Emotionen oft so hoch.

Mancher argumentiert jetzt vielleicht: „Häh? Kindheit? So ein Quatsch! Die ist Ewigkeiten vorbei und außerdem hatte ich eine großartige Kindheit. Das einzige Problem besteht doch nur darin, dass mein Partner (meine Partnerin) so… “

Ja, reden Sie/denken Sie nur weiter, aber hören Sie sich bitte dabei auch selber zu. Denn genau in dem, was Sie jetzt sagen/denken, drücken sich Gedanken und Empfindungen aus, die Sie aus ihrer Kindheit mit herüber genommen haben. Denn alle Menschen sind das Produkt ihrer Kindheit, ganz egal wie gut oder schlecht diese gelaufen ist. Und wenn Sie wissen wollen, was sich da aus Ihrer Kindheit in Ihrem Leben niederschlägt, brauchen Sie sich nur zuzuhören, insbesondere, wenn Sie über die problematischen Situationen mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin schimpfen.

Zum Beispiel kommt da so etwas von ihr: „Er denkt immer nur an sich selbst, es ist ihm zu viel, mir mal einen Gefallen zu tun … ich bin ihm wohl nicht wichtig genug.“ Das Kindheitsthema da hinter: Sie musste vermutlich auf vieles verzichten und hat daraus geschlossen, nicht wichtig zu sein. Oder er beschwert sich: “Noch eine Aufgabe und noch eine und noch eine, nie kommen wir mal zur Ruhe.“ Und wenn ich ihn frage: „was denken Sie dabei über sich selbst?“, kommt als Antwort: „Na ja, ich bin hier nur zur Dekoration da. Es geht offenbar nicht um mich.“ Das Kindheitsthema ist  hier ähnlich. Hier hat auch einer gelernt, immer wieder auszuhalten und mitzuspielen, auch wenn es nicht um ihn ging. Beide bringen aus ihrer Kindheit also ein Thema mit. Beide haben damals nicht genug Spielraum, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Wichtigkeit oder ähnliches bekommen und wollen nichts sehnlicher als in Ihrem Zuhause etwas davon zu bekommen. Wer soll es ihnen geben? Der Partner bzw. die Partnerin. Und wer hat dazu gerade am wenigsten Lust? Der Partner bzw. die Partnerin.

Interessant ist, das die Partnerschaft (unbewusst) zum Nachfolger der Kinderstube geworden ist. Das, was man damals nicht bekommen hat, soll jetzt der Partner richten. Diese unselige Verquickung von Kindheit und Partnerschaft erreicht vor allem Eines: Sie erzeugt Krisen! Und wenn man genau hinschaut, kann man die schwierigen Themen der Kindheit beider Beteiligter  in allen Krisen in einer Partnerschaft entdecken.

Was ist also zu tun?

In meinem Buch vermittele ich etliche Möglichkeiten mit Krisen anders umzugehen. Hier eine Auswahl:

1. Die Krise nicht ausfechten, sondern Streitereien und ähnliches sofort abbrechen und für einen Moment auseinandergehen.

In einer Krise werden von der eigenen unbewussten Psyche Verhaltensmuster (bestimmte Weise zu denken, zu fühlen, und zu handeln) aufgerufen und abgespult, die bereits in der Kindheit entwickelt wurden. Damals herrschten andere Bedingungen und Möglichkeiten. Das bedeutet oft, dass diese (alten) Verhaltensmuster unpassend sind und in der Regel zu keiner Lösung führen. Also sollten diese Muster unterbrochen werden. Das bedeutet ganz konkret: Vertiefen Sie die Krise nicht durch weitere Worte oder Taten aus der schlechten Stimmung heraus. Abbrechen, unterbrechen, auseinander gehen, heißt die Aufgabe. Jeder muss für sich allein (oder mit unbeteiligten Dritten) dafür sorgen, aus dieser Stimmung herauszukommen. Erst danach trifft man sich wieder und verhandelt miteinander. Sollte man sich wieder in Streitereien verhaken, geht man erneut auseinander.

2. Die Krisen aus einem anderen Blickwinkel betrachten

Wenn man erst einmal verstanden hat, dass die Gegenwartsprobleme durch die, aus der Vergangenheit, mitgebrachten Themen verursacht werden, dann hört man mehr auf die grundsätzlichen Botschaften. Dann redet man nicht mehr über den Mülleimer oder ähnliches, sondern über Wertschätzung, ernst nehmen, Liebe, Anerkennung etc.

3. Verstehen, dass für die Befriedigung der Erwartungen und Wünsche, die beide Partner aus ihrer Kindheit mitbringen, nicht der Partner zuständig ist.

Unbewusst delegieren beide diese Aufgabe an ihr Gegenüber. Tatsächlich muss jeder aber zunächst selber lernen, das Fehlende in das eigene Leben zu bringen. Wie das geht? Das kommt auf das Thema an. Wenn man als Kind darunter litt, nicht genug ernst genommen zu werden, müssen solche Erfahrungen in das eigene Leben gebracht werden. Schauen Sie sich in Ihrem Leben um: Wer nimmt Sie ernst, wann und wo ist das schon mal geschehen. Erinnern Sie sich daran und knüpfen an Ihre dabei erlebten Gefühle an. Das ist zwar nur eine Erinnerung und dennoch genau der Stoff, der Ihrer Psyche weiterhilft.

Zu kompakt?

In meinem Buch „Paare in der Krise, Navigationshilfe für schwieriges Gelände“ steht dies und viel mehr auf als 200 Seiten. Das Buch war ursprünglich unter dem Titel: «Streitpaare» veröffentlich worden. Unter dieser Überschrift wurde es allerdings kaum von denen gefunden, für die es in erster Linie geschrieben ist: Ganz normale Paare mit ganz normalen Krisen.

Wer sich das Thema ausführlich erlesen möchte, kann sich das Buch bei seinem Lieblingsbuchhändler bestellen und dann in aller Ruhe herausfinden, wie man die eigene Beziehung befrieden kann. Im Buch ist alles zu finden, was man für einen friedlichen, harmonischen und gemeinsamen Alltag braucht.

https://www.amazon.de/gp/product/3741293687

Ein paar zusätzliche Informationen finden Sie auch hier:

http://www.psychotherapie-birkenwerder.de/fachinfo/paare-in-krisen-z.htm

oder stöbern Sie mal hier, einiges kann auch kostenfrei heruntergeladen werden.

www.reinhardt-kraetzig.de

 

Was ist ein Schlüssel zur Psyche?

Oft ist das Einfache das am meisten wirksame. Als Schlüssel zur Psyche dient eine Szene, ein Geschehen aus der eigenen Erinnerung. Nicht irgendeine, sondern eine, die sehr genau herausgearbeitet wird. In dieser Szene geschieht etwas für Sie sehr Wesentliches. Der Schlüssel ist also für jeden Menschen anders beschaffen. Um das verständlich zu machen, muss ich kurz ausholen.

In unserer Kindheit lernen wir welchen Platz wir in dieser Welt einnehmen und wie wir uns darin behaupten können. Jede Kindheit ist verschieden, jeder Mensch lernt daher anderes über sich und seinen Platz im Miteinander. Keine Kindheit verläuft ohne Lasten. Manche haben mehr Glück als andere, aber alle müssen auch irgendetwas aushalten und müssen lernen, damit umzugehen. Eltern sind Menschen und Menschen sind begrenzt. Was sie selber nicht bekommen haben, können sie auch nicht weitergeben. Interessant ist nun, dass sich Kinder zwar an so ziemlich alles anpassen und fast überall einfügen können, dass sie aber gleichzeitig nicht müde werden, das, was in ihrem Leben fehlte oder unvollständig war, weiter zu suchen. Das geht im Erwachsenenleben weiter und man braucht einem Menschen nur ein wenig zuzuhören, um zu erkennen nach was diese Person sucht. Der eine will, dass man ihn endlich ernst nimmt, der andere will Beachtung, der dritte möchte liebevolle Begleitung et cetera. Auch wenn wir alle ähnliche seelische Grundbedürfnisse haben, ist bei jedem ein Thema – das am meisten defizitäre – besonders herausgestellt. Auch wenn viele nicht wissen, wonach sie innerlich suchen haben sie so ein Thema, ich nenne es Lebensthema.

Kommen wir zurück zum Schlüssel. In der Schlüssel-Szene läuft ein Geschehen ab, welches genau dieses spezielle Verlangen positiv beantwortet. Wenn einer, der sich ein Leben lang nach liebevoller Begleitung sehnt, sich auf eine Erinnerung einlassen kann, in der er genau diese liebevolle Begleitung mal bekam, dann hat das eine faszinierende Wirkung. Für einen Moment erlebt diese Person inneren Frieden. Innerlich entsteht Ruhe, Gelassenheit, Weite, Wärme oder angenehme Kühle. Der Atem fließt leicht und das Leben fühlt sich ebenso leicht und vollkommen an. Dieses Erleben ist selbstverständlich bei jedem etwas anders, aber in jedem Fall positiv.

Im Buch zeige ich detailliert, wie man sein eigenes Lebensthema findet, wie man eine dazu passende Schlüssel-Szene bekommt und was dann zu tun ist.

Mit so einem Schlüssel kann man eine ganze Menge anstellen. So ziemlich alles, wobei einem ein klarer Kopf hilft. Zum Beispiel Probleme am Arbeitsplatz angehen oder die aus der Partnerschaft. Aus diesem Erleben heraus findet man für viele, eben noch lastende Probleme, leichter als vorher stimmige Lösungen. Man ist im Kopf klar und frei, es könnte lohnen mal aus dieser konstruktiven Perspektive heraus, auf das eigene Leben zu schauen. So könnte man – falls erforderlich – eine Linie in sein Leben bringen oder es endlich schaffen, eine Diät wirklich durchzuhalten.

Letzteres ist das vorrangige Thema in meinem letzten, gerade erschienenen Buch: „Abnehmen, mit dem Schlüssel zur Psyche“. Im Buch wird natürlich viel über Gewicht und Abnehmen geschrieben. Aber der wesentliche Abschnitt in dem es um den Schlüssel geht, ist auch für die nutzbar, die nicht mit ihrem Gewicht kämpfen.

Übrigens: In der ersten Erscheinungswoche des E-Books ist es für nur einen Euro zu kaufen. Eine gute Gelegenheit, sich den Zugang zu einem Schlüssel zu sichern, der sehr viel in Ihrem Leben verändern kann.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit

Ihr Reinhardt Krätzig

Das Bild ist von Rainer Sturm und stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank Pixelio.de. 219224_original_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de.jpg

Zum Buch geht es z.B. direkt über diesen Link:

http://www.amazon.de/gp/search/ref=as_li_qf_sp_sr_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&index=aps&keywords=Abnehmen%20mit%20dem%20Schl%C3%BCssel%20zur%20Psyche&linkCode=ur2&tag=wwwreinhardtk-21″

Abnehmen … mit dem Schlüssel zur Psyche

3DAbnehmenWie passt das Thema „Abnehmen“ in einen Blog, mit der Überschrift: ÜBER DAS UNBEWUSSTE UND WIE MAN ES BEEINFLUSSEN KANN?

Es passt mehr als manche glauben. Weit verbreitet ist die Annahme, dass Übergewicht etwas mit fehlender Selbstdisziplin zu tun hat und Abnehmen entsprechend lediglich Beherrschung braucht, einen starken Willen, Verzicht und gute Diäten, die dann nur angemessen (diszipliniert = selbstbeherrscht) durchgeführt werden müssen. Aber warum scheitern dann mehr als 90 Prozent aller Diäten (manche behaupten, es seien noch sehr viel mehr)? Ist daran wirklich nur ein schwacher Wille schuld?

Hier setze ich mit meinem neuen Buch an. Dabei ist mein Ausgangspunkt die Erkenntnis, dass das, was wir bewussten Willen nennen, nur unter bestimmten Umständen frei agieren kann. Unter anderen Umständen ist der Wille alles andere als frei – er ist nur ein verlängerter Arm der unbewussten Psyche. Und diese anderen Umstände herrschen auch genau dann, wenn jemand unter seinem Übergewicht leidet und daher Abnehmen möchte.
Immer wenn ein Mensch innerlich unter Stress ist (auch wenn dieser Stress nicht bewusst ist) dominiert in seiner Psyche das Unbewusste. Das bedeutet, dass die betroffene Person in diesem Moment nicht offen ist für die Gegenwart und die damit verbundenen Möglichkeiten. Vielmehr greift die Psyche ausschließlich auf die im bisherigen Leben erarbeiteten Verhaltensmuster zurück. Weil die meisten grundlegenden Verhaltensmuster in der Kindheit entstehen, dominieren jetzt die Erfahrungen der Kindheit das Verhalten. Jemand, der als Kind viele negative Erfahrungen machen musste, wird vergleichbare Erfahrungen dann auch als Erwachsener wieder erleben. Damals waren andere oder die Umstände schuld, jetzt macht man es selber! So können sich überhaupt nur Ängste, Depressionen, Selbstzweifel, negative Sicht auf die Welt et cetera in die Welt der Erwachsenen einschleichen.

Und – was ist jetzt mit dem Übergewicht?
Ganz gleich, in welchem Lebensabschnitt sich das Übergewicht einstellt – in der Kindheit oder erst Jahre später -, in dem Moment wo es da ist und als Last erlebt wird, klingt sich die unbewusste Psyche ein. Sie nutzt es zur Steuerung der Person.

(Das macht unsere unbewusste Psyche übrigens auch mit anderen Lasten, die sich im Leben ergeben. Körperliche Erkrankungen (Magengeschwür, Borreliose etc.) oder Einschränkungen (Sonnenempfindlichkeit, Lebensmittelunverträglichkeit etc.), wiederkehrende belastende Umstände (der bellende Hund des Nachbars),- alles wird benutzt, um die Person zu steuern.)

Ein Übergewicht ist hervorragend für die emotionale Steuerung der Person geeignet. Mit einem Blick in den Spiegel ist man sofort angespannt, enttäuscht, voller Selbstzweifel, vielleicht mag man sich selbst nicht oder ähnlich. Wozu sollte ein Mensch solche Stimmungen brauchen? Um sich zurückzunehmen, nicht zu viel zu fordern, sich „hinten an zu stellen“, etc. – und wozu soll das gut sein? Eigentlich ist es nicht gut, aber es ist das Gewohnte, so war es eben immer. Wenn man als Kind gelernt hat, sich zurück zu nehmen, um weniger anzuecken oder den Familienfrieden zu fördern, dann nimmt man sich auch als Erwachsener zurück. Nicht immer, aber immer, wenn seelischer Stress herrscht.
Sobald das eigene Übergewicht als Last erlebt wird, ist man schon mitten drin im seelischen Stress. Warum wird es als Last erlebt? Weil man sich ausgegrenzt fühlt, schief angesehen, nicht mithalten kann mit anderen … Alles knüpft an, an negative Kindheitserfahrungen, in denen man vielleicht auch nicht so gesehen und akzeptiert wurde, wie man war.
Startet man nun eine Diät, um endlich abzunehmen, ist man innerlich mit der belastenden Thematik beschäftigt, also unter Stress und folgerichtig manövriert das eigene Unbewusste einen in die Verhaltensmuster der Kindheit. Nutzt die Psyche das Übergewicht aber bereits zur Steuerung der Person, gibt sie diese Möglichkeit nicht wieder her, ähnlich wie bei einer psychischen Erkrankung, zum Beispiel einer Angststörung. Ein Mensch, der unter einer Angst leidet, kann sich nicht einfach entscheiden, diese Angst nicht mehr zu haben. Bei einem Übergewicht liegt das Problem ähnlich. Auch hier muss die unbewusste Psyche erst wieder lernen, auf das Übergewicht zu verzichten. Diesen Schritt unterlassen die meisten und wundern sich dann, dass auch die x-te Diät ohne Erfolg bleibt.

Solange die unbewusste Psyche weiter in dieser Weise im Hintergrund die Fäden zieht, werden auch nachfolgende Diäten scheitern. Es geht also darum, diesem psychischen Mechanismus die Existenzgrundlage zu entziehen.
Wie das funktioniert? Hier kommt die gute Nachricht – zumindest für die meisten Leser: Sie müssen dafür keine langwierige Psychotherapie machen. Bei vielen Betroffenen ist der in meinem neuen Buch vermittelte Schlüssel zur Psyche genau das Richtige, um die unbewusste Psyche daran zu hindern, wieder in die falsche Richtung zu lenken und auch die nächste Diät zu boykottieren.
Mit diesem Schlüssel bringen wir die Psyche in einen Zustand, in dem sie nicht mehr unter Stress steht und deshalb nicht mehr auf alte unzulängliche Muster zurückgreift – und damit auch nicht mehr auf das Übergewicht.

Das kann übrigens auch bei einer Angsterkrankung funktionieren. Mit dem Schlüssel zur Psyche kann man sich in ein Befinden manövrieren, in dem man die unangemessene Angst nicht mehr zur Selbstregulation braucht.
Insofern kann mein Buch auch für ganz andere seelische Lasten eine Hilfe sein. Die Erarbeitung des eigenen Schlüssels zur Psyche ist im Buch in einem extra Kapitel und ganz unabhängig von der Übergewichtsthematik beschrieben. Auch die Darstellung des theoretischen Hintergrundes und auch die weitergehende Verwendung des Schlüssels zur Heilung alter seelischer Wunden sind genauso unabhängig von der speziellen Übergewichtssymptomatik beschrieben.
Wenn das E-Book erscheint (ungefähr Anfang August 2016) gibt es das in der ersten Woche für 0,99 € zu kaufen. Eine gute Chance, ein wertvolles Hilfsmittel günstig zu erstehen – auch wenn Sie nichts mit Übergewicht zu tun haben. Ist Übergewicht aber Ihr Thema, sollten Sie unbedingt zugreifen. Mit dem Schlüssel zur Psyche bekommen Sie die Chance, im „Kopf“ endlich für Ihr Wunschgewicht frei zu werden.

Infos zum Buch: http://www.reinhardt-kraetzig.de/books.html,

Wenn Sie nachsehen wollen, ob das E-Book schon erschienen ist (0,99 € in der ersten Erscheinungswoche) schauen Sie hier:
http://www.bod.de/buch/reinhardt-kraetzig/abnehmen/9783741250835.html

Im nächsten Blog werde ich detailliert erläutern, was ein Schlüssel zur Psyche ist und warum er so gut funktioniert. Wenn Sie darauf nicht warten wollen, das Buch ist bereits im Handel.

ABNEHMEN
… mit dem Schlüssel zur Psyche
Reinhardt Krätzig
21. Juli 2016, 240 Seiten
Verlag BoD
Preis: 14,50 €, als E-Book: 7,99 €

Beziehungsstress im Urlaub

Na, in den Ferien wieder Beziehungszoff?

Statistisch ist es mit den Streitereien ähnlich wie an anderen besonderen Tagen im Leben eines Paares. Viele geraten aneinander. Warum ist das so und was kann man dagegen tun?

Sie geschehen, weil die Erwartungen nach Harmonie und einem guten Miteinander an den „hohen“ Tagen (Urlaub, Feiertage, Festtage) besonders hoch sind. Viele wollen jetzt endlich etwas von dem bekommen, was im Alltag fehlt oder zu wenig da ist. Leicht zu erklären mit stressigen Arbeitstagen, vollgestopftem Alltag und gehetztem aneinander vorbei sprinten.

Wenn beide Seiten aber so hohe Erwartungen haben, wieso gelingt es dann nicht? Vielleicht weil beide etwas Anderes erwarten? Frieden und Harmonie wollen doch alle, so verschieden kann es doch gar nicht sein, sollte man annehmen. Aber im Detail ist es dann doch verschieden, wenn „sie“ einen Strandspaziergang machen möchte und „er“ unter Frieden und Harmonie versteht, sich nur im Pool herumzudrücken oder nur sein Buch weiterlesen zu wollen. Oder „er“ will einen Ausflug machen und „sie“ hat keine Lust auf diese Last.

Natürlich könnte man sich doch einigen, vielleicht ein Nacheinander installieren oder einfach mal was getrennt machen? Wieso finden viele keine Lösung?

Weil das Problem etwas mit dem Unbewussten zu tun hat. Denn das, was zur Dissonanz und vielleicht noch zum Streit führt, sind nicht die bewussten (formulierten oder gedachten) Erwartungen, sondern unbewusste Themen. Solche, die beide schon aus ihrer Kindheit mitbringen.

Häh? Kindheit? So ein Quatsch! Die ist Ewigkeiten vorbei und außerdem hatte ich eine großartige Kindheit. Das einzige Problem besteht doch nur darin, dass mein Partner (meine Partnerin) so…

Ja, reden Sie/denken Sie nur weiter, aber hören Sie sich bitte dabei auch selber zu. Denn genau in dem was Sie jetzt sagen/denken, drücken sich Gedanken und Empfindungen aus, die Sie aus ihrer Kindheit mit herüber genommen haben. Auch wenn die lange vorbei ist, sind Menschen das Produkt ihrer Kindheit, ganz egal wie gut oder schlecht diese gelaufen ist. Und wenn Sie wissen wollen was sich da aus ihrer Kindheit in ihrem Leben niederschlägt, brauchen Sie sich nur zuzuhören, wenn Sie über die problematischen Situationen mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin schimpfen.

Zum Beispiel kommt da so etwas von ihr: „Er denkt immer nur an sich selbst, es ist ihm zu viel mir mal einen Gefallen zu tun…ich bin ihm wohl nicht wichtig genug.“ Das Kindheitsthema da hinter: Sie musste vermutlich auf vieles verzichten und hat daraus geschlossen, nicht wichtig zu sein.

Oder er beschwert sich: “Noch ein Programmpunkt und noch einer und noch einer, nie kommen wir mal zur Ruhe.“ Und wenn ich ihn frage: „was denken Sie dabei über sich selbst?“, kommt als Antwort: „Na ja, ich bin hier nur zur Dekoration da. Es geht offenbar nicht um mich.“ Das Kindheitsthema ist  hier ähnlich. Hier hat auch einer gelernt, immer wieder auszuhalten und mitzuspielen, auch wenn es nicht um ihn ging.

Beide bringen aus ihrer Kindheit also ein Thema mit. Beide haben damals nicht genug Spielraum, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Wichtigkeit oder ähnliches bekommen und wollen wenigstens in ihrem Urlaub mal etwas davon haben. Wer soll es ihnen geben? Der Partner bzw. die Partnerin. Und wer hat dazu gerade am wenigsten Lust? Der Partner bzw. die Partnerin.

Die mitgebrachten Themen haben etwas mit Umständen und Bedingungen zu tun, die in der Kindheit schwierig waren. Wo etwas zu viel, zu wenig oder unstimmig war und deshalb Spuren übrig blieben. Themen haben sich herauskristallisiert, welche das Kind und den daraus werdenden Erwachsenen seither begleiten.

Es ist nicht unbedingt notwendig, dass Sie jetzt in ihre Geschichte zurückschauen. Natürlich kann es helfen, wenn Sie diese kennen und die sich daraus ergebenden Themen Ihnen schon vertraut sind. Aber der Blick zurück ist nicht notwendig. Denn ein mitgebrachtes Thema – ich nenne es gerne Lebensthema – ist in der Gegenwart präsent. In jedem Streit, in jedem Problem ist es sichtbar. Sie brauchen also nur auf das zu hören, was Sie selber sagen oder schreien und was Sie dabei erleben. Oder wenn Sie das Lebensthema Ihres Partners wissen wollen, hören und schauen Sie ihm/ihr zu.

Noch ein Beispiel:

Wenn sie zum Beispiel darüber klagt, dass er sie in ihrem Wunsch nach einem Strandspaziergang nicht ernst nimmt, ist das Thema dahinter – ganz einfach – das ernst genommen werden. Weitere Äußerungen geben noch mehr Klärung. Sagt sie zum Beispiel: „Nie nimmst du mich ernst“, dann berichtet sie von der Not, dass sie in ihrem Bemühen immer wieder scheitert. Hier taucht eine Vergeblichkeit auf, eine Sehnsucht danach, dass es endlich einmal anders ist. Die findet sich auch in: „nimm mich doch endlich mal ernst, nimm nicht immer nur deine Dinge wichtig, sieh mich doch auch einmal…“

Wer sich hier schon wieder erkennt, ist ein Stückchen weiter im Verständnis der eigenen Person. Das Lebensthema ernst genommen zu werden teilen viele Menschen und trotzdem brauchen alle etwas Anderes. Ich sage das, weil man hier sehr genau sein muss. Der erste Schritt – eine Ahnung vom Lebensthema zu bekommen – ist nur ein Teil der Lösung. Hört man hier auf, hat man nichts gewonnen.

Der zweite Schritt besteht darin, eine positive Antwort auf das Lebensthema zu finden.

Hätte ich diese Frau in meiner Praxis, würde ich sie fragen, wie es sich anfühlt, wenn sie ernst genommen wird. Dabei ist es gleich, ob es ihr Mann ist, der das manchmal kann oder jemand anderes. Vielleicht kommen dann Berichte aus ganz anderen Umständen, mit anderen Menschen, aus dem Sport, Begegnungen mit Freunden, in der Freizeit oder der Arbeit. Sie soll sich erinnern, wie es sich anfühlt und damit bekommt das Begriff ernst genommen werden eine weitere Dimension. Jetzt werden die Worte vertieft durch das Erleben und die Gefühle. Viele teilen sich dieselben Worte für ihr Lebensthema. Wird dies aber mit dem Erleben verbunden, entsteht für jeden etwas Einmaliges. Diese einmalige Kombination bezeichne ich gerne als: den Schlüssel zum eigenen Unbewussten. Wenn sich unsere Beispielfrau in dieses Schlüsselerleben hinein begibt, erfährt sie Beruhigung und bekommt innerlich die Freiheit, ihre ehelichen Probleme weniger massiv zu erleben und sie vielleicht anders anzugehen. In der Psychotherapie bewirken ähnliche Prozesse Heilung.

Jetzt könnte man einwenden, dass diese erinnerten Situationen doch mit der Beziehung nichts zu tun haben. Unsere Frau könnte klagen: „Auch wenn ich das mit anderen erlebe, kriege ich es immer noch nicht von meinem Mann“.

An dieser Stelle gibt es einen wichtigen Punkt, der im Zusammenhang mit allen ehelichen Problemen und Streitereien unbedingt beachtet werden muss:

Für die Befriedigung der Erwartungen (Lebensthema), die beide Partner aus ihrer Kindheit mitbringen, ist nicht der Partner zuständig.

Dessen vermeintliches Versagen scheint die Ursache von Enttäuschungen und Stress zu sein, ist es aber nicht. Für die Frau in unserem Beispiel heißt die Aufgabe, zunächst selber zu lernen, das ernst Genommen zu werden in ihr Leben zu holen. Sie ist diejenige, die es noch nicht kann. Zwar schon mit Freunden, aber eben noch nicht mit einem Partner bzw. noch nicht in den Situationen, die ihr selber wichtig sind.

Mal angenommen sie lernt, ernst genommen zu werden, dann wird es faszinierend zu beobachten, wie ihr Partner ganz von alleine andere Seiten zeigt.

Nur die Partner, die es dann immer noch nicht können, muss man sich zur Brust nehmen bzw. darüber nachdenken, sich vielleicht zu verändern.

– – –

Zu kompakt? In meinem Buch Streitpaare steht dies und viel mehr auf als 200 Seiten. www.streitpaare.de Wer sich das Thema ausführlich erlesen möchte, kann sich mein Buch Streitpaare bei seinem Lieblingsbuchhändler bestellen und dann in aller Ruhe herausfinden, wie man die eigene Beziehung befrieden kann.
Im Buch ist alles zu finden, was man für einen friedlichen, harmonischen und gemeinsamen Urlaub braucht. Für diesen ist es vielleicht schon zu spät, aber der nächste Urlaub kommt bestimmt!

 

Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank, Pixabay.com. Zu finden unter: https://pixabay.com/de/mädchen-meer-strand-jung-sommer-429380. Vielen Dank an den/die Fotografen/in: Ana_J

 

Alles Theater!

 

Wozu gibt es überhaupt ein Bewusstsein?

Das Bewusstsein ist zwar sehr viel schneller als das Unbewusste, kann aber nur winzige Datenmengen und immer nur einen Prozess verarbeiten, kann also kein Multitasking. Das Unbewusste ist langsamer, arbeitet viele Prozesse parallel ab und erreicht dadurch eine viel höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit. Ohne die Arbeit des Unbewussten, könnten wir nicht überleben, vermutlich aber ohne das Bewusstsein. Wofür haben wir es überhaupt? Da sich in der Natur nur das durchsetzt bzw. erhalten bleibt, was auch einen Sinn macht, muss man dies auch dem Bewusstsein unterstellen, aber welchem Zweck dient es?

Eine interessante These stellt B. J. Baars, in seinem Buch „Das Schauspiel des Denkens“, aus dem Jahr 1998 vor. Er schreibt:

„Die engen Grenzen des Bewusstseins bieten einen ausgleichenden Vorteil: Das Bewusstsein scheint wie ein Tor zu funktionieren, das Zugang zu jedem Teil des Nervensystems bildet. Sogar einzelne Neurone können durch bewusstes Feedback kontrolliert werden. Bewusste Erfahrungen schaffen Zugang zum mentalen Lexikon, dem autobiographischen Gedächtnis und der willentlichen Kontrolle über automatisierte Handlungsroutinen.“(Bernard Baars: In the Theater of Consciousness, Journal of Consciousness Studies, 4, No. 4, 1997, pp. 292-309, Übersetzung von Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Bernard_Baars).

Die Psychotherapie nutzt diese Möglichkeit des Bewusstseins, um auf bestimmte Geschehnisse im eigenen Kopf zugreifen zu können. Eine Person kann sagen, „Ich habe Angst“ oder kann sich an ihre Angst erinnern. Mit entsprechendem Training kann auf diese Angst eingewirkt werden. Die Fähigkeit, die Baar in seinem Global Workspace Model beschreibt, wird daher von anderen Experten auch als Zugangsbewusstsein umschrieben. (Davon wird das phänomenale Bewusstsein unterschieden, das für den Erlebnisgehalt des Bewusstseins steht, etwa das subjektive Erleben von Angst.)

Baar hat unser Gehirn auch mit einem Theater verglichen. Während im Saal Dunkelheit herrscht und die dort sitzenden unbewussten Programme und Prozesse nicht oder nur eingeschränkt miteinander interagieren, ist die Bühne, auf der das Bewusstsein agiert, hell beleuchtet und von allen im Saal deutlich sichtbar. Der Theater-Schauspieler (das Bewusstsein) kann mit jedem Zuschauer im Saal interagieren. Durch seine Handlung können ansonsten unverbundene unbewusste Programme miteinander koordiniert werden. Sie bekommen dadurch einen Dirigenten bzw. eine übergreifende Ausrichtung für anstehende Aktionen.

Alles Geschehen in der eigenen Umgebung wird zunächst unbewusst erfasst und überprüft, ob eine Reaktion notwendig ist. Ist dies der Fall, wird zum Beispiel eine Angst auf die bewusste Bühne gehoben, die dafür sorgt, dass alle verfügbaren Ressourcen zur Bewältigung der Situation verwendet werden. Alles was im Moment nicht für die Sicherung der eigenen Person notwendig ist, wird heruntergefahren und alles was für eine angemessene Reaktion notwendig ist, hochgefahren. Ein Ich ist präsent und dieses Ich hat jetzt Angst.

Die Angst auf der Bühne kann auch kritisch betrachtet werden. Vielleicht, weil nebenbei oder rückblickend wahrgenommen wird, dass alle anderen Menschen in der Umgebung auf dieselbe Situation ohne Angst reagieren. Vielleicht weil es Erinnerungen daran gibt, dass man früher noch ohne Angst war.
Die Angst kann erneut auf die Bühne des Bewusstseins gestellt werden, diesmal mit der Frage an das innere Plenum, ob es nicht weniger leidvolle Lösungen gibt. Sollte dies keinen Ertrag bringen, könnte zum Beispiel auch der Gedanke entstehen, sich psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Dort könnten dann neue Möglichkeiten geschaffen werden, das Angstprogramm zu hemmen und andere Reaktionen zu gestalten.

Jetzt darf man aber nicht in den Irrtum verfallen, den Schauspieler bzw. das Bewusstsein als Regisseur des Ganzen zu sehen. Die Impulse, die den Schauspieler agieren lassen, kommen aus dem Zuschauerraum, also aus dem Unbewussten.

Dies betrifft jegliches Handeln, Denken und Erleben. Auch wenn sich ein Mensch entschließt, eine komplizierte mathematische Formel zu lösen, stehen dahinter unbewusste Prozesse, die den Entschluss, die Aufmerksamkeit jetzt auf die mathematische Formel zu richten, vorbereiteten. Innerhalb der Lebenswirklichkeit der Person gibt es Prozesse für die es sinnvoll, notwendig und/oder angemessen scheint, den Fokus auf die Lösung der Aufgabe zu richten. Das Bewusstsein wird eingeschaltet, um alle dafür notwendigen Fähigkeiten zu bündeln. Bei einer einfachen Rechenaufgabe, hätte das Unbewusste das Ergebnis ohne Umwege im Hintergrund errechnet. Ist die Aufgabe komplizierter oder geschieht etwas zum ersten Mal, begibt man sich in den Theatersaal – um bei dem obigen Bild zu bleiben – und nutzt einen Leih-Schauspieler um die notwendige Kooperation zu gewährleisten.

*

Das Foto „theater-prag-tschechische-republik-592145″ stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank pixabay.com. Vielen Dank an den Fotografen IgnacioPinheiro.

Na das ist ja primer!

Menschen sind vor allem soziale Wesen. Auch wenn es manchmal  nicht so scheint, sind sie in der Tiefe ihres Seins aufeinander bezogen und passen sich blitzschnell und meist unbewusst an ihre jeweilige Umgebung an.

Dass Gähnen ansteckend sein kann, ist den meisten vertraut. Dies ist ein gutes Beispiel für eine unbewusste Anpassung. Gähnt einer, gähnen andere solidarisch mit.

Schon vor vielen Jahren wurde bei Mutter-Kind Experimenten festgestellt, dass Brei fütternde Mütter oft mit offenem Mund dabei sind. Genauere Betrachtungen brachten hervor, dass sie dies nicht taten, um ihrem Kind beizubringen, dass dieses den Mund öffnen muss, sondern dass sie vielmehr den offenen Mund des Kindes kopierten.

Unbewusste Imitation findet beständig statt. Menschen imitieren spontan den Gesichtsausdruck anderer Menschen, genauso wie die Körperhaltung, wie Gesten oder auch sprachliche Eigenheiten, wie Wortwahl, Tonhöhe oder die Pausenlänge zwischen den Sätzen. Interessant ist, dass diese Anpassung auch bei sprachlichen Zuweisungen funktioniert. Wird ein Mensch wiederholt als dumm bezeichnet, verhält er sich auch so. Dies funktioniert zum Glück genauso mit positiven Eigenschaften. Ein Mensch leistet mehr, wenn seine Leistungsfähigkeit benannt wird.

Wie in zahlreichen Experimenten erprobt, geschieht diese Anpassung auch schon, wenn Menschen einen Artikel lesen, in dem sie mit bestimmten Eigenschaften konfrontiert werden. Geht es zum Beispiel um Begriffe, die man mit alten Menschen assoziiert, wie Gebrechlichkeit, langsame Bewegung, graue Haare, Falten etc., dann bewegen sich die Probanden danach messbar langsamer als Vergleichspersonen, die andere Texte vor sich hatten. Ganz gleich ob ein Mensch einer alten Person begegnet oder nur darüber liest, er passt sich sofort an, verlangsamt seine Bewegung, spricht vielleicht lauter und denkt langsamer.
Die Testpersonen wollten das auch nicht glauben und haben die Tests wiederholt, allerdings mit dem gleichen Ergebnis.

Dieses Aktivieren von bestimmten Eigenschaften in einer Person nennt man Priming. Lässt man eine Person eine Liste von Wörtern lesen, die etwas mit Aggressivität zu tun hat, erleben diese ihr Gegenüber aggressiver. Lesen sie etwas über Unfreundlichkeit, werden sie auch unfreundlicher. Handelt der Lesestoff von Leistung, Engagement und Anstrengung, gehen die Probanden nachher deutlich leistungsorientierter an Folgeaufgaben.

Es werden unbewusste Verhaltensmuster aktiviert und sofort gezeigt.
Diese Anpassung an die Umgebung lohnt sich offenbar für uns Menschen. Wir reagieren positiv auf andere, die sich an uns anpassen, unsere Gestik imitieren oder den Gesichtsausdruck. Versuche zeigten, dass Kellnerinnen doppelt so viel Trinkgeld bekamen, wenn sie die Gäste imitierten, in dem sie die Bestellung wortwörtlich wiederholten. Menschen sind einander sympathischer, wenn sie sich aneinander angleichen.

Interessant ist die Frage danach, worauf ein Mensch geprimt wird, wenn er die Blutseite der Tageszeitung liest. Sicher erzeugt die Konfrontation mit einer Welt voller Gefahren kaum ein positives Gefühl. Viel wahrscheinlicher ist, dass man eher ängstlich wird und sich unsicherer fühlt.
Vielleicht steckt hier auch eine Erklärung dafür, warum sich so viele Menschen gerne von Werbung berieseln lassen. Weil die gutaussehenden, erfolgreichen und zufriedenen Schauspieler auf einen selbst abfärben und man sich dadurch ein bisschen gutaussehender, erfolgreicher und zufriedener fühlt?

Das alles wirft ein deutliches Licht auf den Stellenwert des Bewusstseins. Die blitzschnelle Anpassung an die Umgebung geschieht vollkommen unterschwellig und in manchen Fällen vermutlich auch gegen den eigenen bewussten Willen (was ist das eigentlich?). Das Bewusstsein hat lediglich die Rolle eines Zuschauers. Das Unbewusste gibt die Richtung vor und steuert das Verhalten, das Bewusstsein wird manchmal darüber informiert.

Die Untersuchungen habe ich aus dem Buch von Ap Dijksterhuis, Das kluge Unbewusste, Denken mit Gefühl und Intuition, Klett-Kotta, 2007

Das Bild “chameleon-101106_640.jpg” stammt von der kostenlosen Bilddatenbank pixabay.com. Vielen Dank an die Fotografin Katja.

Der Sitz der Seele oder Tod ohne Wiederkehr?

 

Viele Jahrhunderte lebten wir mit der Überzeugung, dass unser Bewusstsein etwas so besonderes ist, dass es auch eine besondere Herkunft haben muss. Vollkommen klar, dass dieses geistig-sphärische Phänomen von Gott gegeben sein muss und auch nach dem Tod des Körpers nicht vergehen wird, sondern in anderen Dimensionen des Seins weiter existiert.

Was machen wir mit unseren vertrauten Vorstellungen, wenn uns die Neurobiologie vielleicht bald und endgültig beweist, dass das Bewusstsein im Gehirn selber entsteht und gar nicht so göttlich, frei und abgehoben ist, wie wir immer glaubten.

Seele, Bewusstsein, Geist ist das überhaupt dasselbe? Schauen wir mal…

Unter einer Seele wird in allen Religionen, Weltanschauungen und Kulturen der Welt etwas anderes verstanden. Zu allen Zeiten wurden die erleb- und sichtbaren Unterschiede zwischen Pflanze, Tier, Mensch und der unbelebten Natur unterschiedlich erklärt.

  1. In der Antike, einige Jahrhunderte vor dem Beginn unserer Zeitrechnung, war die am weitesten verbreitete Annahme, dass das Universum von einer göttlichen Natur (Pneuma, Äther, Odem) durchdrungen ist. Durch das Einatmen nehmen Tier und Mensch Anteil an diesem Göttlichen und werden belebt. Entsprechend führt der Atemstillstand zum Tode. Der Grundstoff der Seele wurde als etwas luftähnliches, ätherisches angesehen, das mit der Atemluft aufgenommen wird und sich im Körper zur Seele verdichtet. In dieser Vorstellung gibt es keine individuelle unsterbliche Seele. Nach dem Tod zerstreut sich die Seele wieder im Äther. Die Seele steht hier für das, was Leben gibt. Dahinter steht eine dualistische Vorstellung von Körper und Seele.

In der Antike unterschieden Denker wie Platon und Aristoteles  drei Lebensprinzipien. Demnach haben Pflanzen eine vegetative Seele, die zu Wachstum, Entwicklung und Anregbarkeit durch Umweltreize führt. Tiere haben eine Tierseele (animalische), die Bewegung, angepasstes Verhalten und auch eine gewisse Intelligenz ermöglicht. Der Mensch hat als einziges Wesen zusätzlich eine Vernunftseele (rational), die als unsterblich gilt. Durch sie hat der Mensch Anteil an einer Gabe der Götter. Diese Vernunftseele wird als unstofflich gesehen und steht damit dem Körper mit seiner stofflichen Substanz gegenüber. Die vegetative und die animalische Seele zerstreuen sich wieder nach dem Tod des Körpers.

Es gibt noch interessante Details bei den alten Denkern: So lieferte für Platon die sinnliche Erfahrung keine sichere Erkenntnis im philosophischen Sinne, da die Sinne materieller Natur sind. Sie dienen lediglich der Orientierung des Körpers. Wahre Erkenntnis hat bei Platon nichts mit der materiellen Welt zu tun und konnte daher nur durch die Seele (Augen des Geistes) gewonnen werden. Entsprechend ist die rationale Seele das Organ der Erkenntnis. In seiner Vorstellung existierte diese – bevor sie sich mit dem sterblichen Körper verband – in einem Raum auf der Rückseite des Himmels. Dort ist alle Erkenntnis versammelt und zu ihr, der wahren Erkenntnis, kann man nur im philosophischen Diskurs gelangen. Er erzeugt damit einen Dualismus zwischen einer Welt der Ideen und der faktisch bestehenden Welt.

Platons Schüler Aristoteles trennte sich von der Idee der unsterblichen Ideen und der damit verbundenen Ablehnung der Sinne als Erkenntnisgrundlage. Er ging davon aus, dass alle Erkenntnis auf sinnlicher Wahrnehmung und Erfahrung beruht. Ohne Sinneswahrnehmung gäbe es keinerlei Erfahrung und könnte man nichts verstehen. Er nahm auch an, dass der menschliche Geist über keine angeborenen Kenntnisse verfügt, sondern zu Beginn des Lebens einer unbeschriebenen Tafel (lateinisch: tabula rasa) gleicht, die mit allem Möglichen beschrieben werden kann.

Auch bei Aristoteles ist die Vernunftseele und das dazu gehörige Denkvermögen unsterblich, allerdings überindividuell. Eine Ausnahme war Aristoteles in seiner Überzeugung, dass alle Seelenanteile nicht im Gehirn, sondern im Herzen (cardiozentristisch) lokalisiert sind – weil dort alles Blut als Träger der Lebensgeister zusammenströmt. Für ihn war das Gehirn eher eine Art Kühlsystem des Blutes. Im Gegensatz zu ihm war die Anschauung, dass das Gehirn (cerebrozentistisch) der Sitz der Vernunftseele ist, der Intelligenz und der kognitiven Fähigkeiten spätestens seit Hypocrates (ca.  400 v. Chr.) weithin akzeptiert.

Die vegetativen und tierischen Seelenaspekte bilden bei Aristoteles mit dem Körper eine Einheit. Daher ist die Seele vom Körper nicht trennbar. Sie verhält sich zu ihm wie das Augenlicht zum Auge. Damit widerspricht Aristoteles der Auffassung Platons, wonach der Seele ein eigenständiges Dasein zukommt. Er fasst die Seele als Zweckursache des Körpers auf.

  1. Die mittelalterliche Theologie und Philosophie übernahm die platonische Vorstellung von der Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Diese Ansicht wurde nach Jahrhunderten heftiger Auseinandersetzungen im Jahr 1515 von der christlichen Kirche als unbezweifelbare Wahrheit (Dogma) festgeschrieben und wird zumindest im Katholizismus bis heute verbindlich gelehrt. Protestantische Theologen vertreten dagegen eine auf jüdische Vorstellungen zurückgehende Lehre vom Tod der Seele mit dem Tod des Körpers und einer gänzlichen Neuschöpfung von Körper und Seele in einer Auferstehung.

In der christlichen Lehre des Mittelalters verbindet sich die unsterbliche Seele im Akt der Zeugung oder spätestens bei der Geburt mit dem Körper. Im Augenblick des Todes verlässt den Körper, der unbeseelt zurückbleibt und vergeht. Hier gibt es auch die Auffassung, dass die Seele nach ihrem Entweichen geleitet werden müsse, um nicht in der Welt als Gespenst umher zu ihren. Hier dienen hilfreiche Wesen, Engel, die diese Aufgabe übernehmen.

  1. Descartes, der einflussreichste Philosoph des 17. Jahrhunderts, vertrat wie Platon eine dualistische Auffassung. So definiert er die Seele als eine Sache, für die es wesentlich ist zu denken (res cogitans), und den Körper als ein Ding, für das es wesentlich ist, ausgedehnt zu sein (res extensa). Descartes zufolge enthält das Denken in seiner reinen Form nichts körperliches, auch in dieser Hinsicht ähnelt seine Auffassung derjenigen Platons.

In seinem Verständnis gieße Gott der Maschine Körper eine geistige Seele ein, die im Körper willkürliche Bewegungen veranlasse und der Körper veranlasse Gedanken.

Der Begriff Seele ist bei Descartes bedeutungsgleich mit Geist bzw. Verstand oder Vernunft. Sie gehört zur denkenden Substanz. Als organischer Sitz der Seele gilt die Zirbeldrüse (Informations- und Bewegungszentrale des Automaten). Der Geist als ganzer sei im ganzen Körper und in jedem beliebigen Teil des Körpers. Die Seele ist nach ihm, da nicht ausgedehnter, unteilbarer und unkörperlicher Geist, unsterblich. Die Verschiedenheit von Geist und Materie sei beweisbar, aber ihre Vereinigung nur aus der alltäglichen Erfahrung bekannt.

Descartes war überzeugt, dass im Körper nur biologische und keine psychischen Prozesse stattfinden. Für ihn gab es also kein Unbewusstes.

Descartes Ideen haben das westliche Denken stark geprägt. Auch heute noch wird das Bewusstsein mit dem Verstand/ der Ratio gleichgesetzt und die Auffassung, dass das Bewusstsein die dominante Instanz ist, ist noch immer weit verbreitet.

  1. Als ich in den 1970er Jahren anfing, Leibeserziehung zu studieren, war es noch selbstverständlich von einer Dreiteilung des Menschen in Körper, Seele und Geist auszugehen. Der Körper war die materielle Basis, die durch die Seele ihre Lebendigkeit bekam. Die Seele wurde auch mit dem Erleben bzw. dem Psychischen gleichgesetzt und der Geist mit dem bewussten Denken. Im Laufe der Jahre wurde ich mit verschiedenen Erklärungen und Zuordnungen konfrontiert. Seele und Geist wurden immer wieder in unterschiedlicher Bedeutung definiert, manchmal waren sie auch als etwas Identisches gesehen. Im Kern haben wir es nach wie vor mit einer dualistischen Auffassung zu tun, in der es darum geht, dass mentale Aspekte (Geist, Bewusstsein, das Psychische, die Seele) vom physischen (Körper, Gehirn, dem Materiellen, dem Leib) unterschieden werden. Die Existenz von Geist/ Bewusstsein / Seele wird überwiegend einem göttlichen Faktor zugeschrieben.

Fazit:

Offenbar fällt es in unserer Denktradition schwer, sich den Menschen als etwas Ganzes zu denken und die Annahme einer dualistischen Trennung Mentalem und Körperlichem zu verlassen. Vielleicht weil dies dem Tod so etwas Endgültiges gibt. Wenn keine Seele weiterlebt, ganz gleich ob individuell oder überpersönlich, vergeht das Individuum mit dem Tod des Körpers. Vielleicht brauchen Menschen den Trost, dass es nachher noch weitergeht.

Wenn kein Gott das Bewusstsein gibt, sondern es  aus der Interaktion der Nervenzellen entsteht, verliert das Mentale seine Sonderposition. Schon die bisherigen neurobiologischen Erkenntnisse müssten den Sitz einer gottgegebenen Seele ins Unbewusste verlagern, weil hier die wirkliche Steuerung des Menschen stattfindet. Da das Unbewusste eine Einheit mit dem Körperlichen bildet, lässt sich schwer unterscheiden, was beim Tode vergeht und was bleibt. Auch unsere Behauptungen über die eingeschränkte Beseeltheit bei den Tieren (animalische Seele) könnten wir dann nicht mehr begründen.

Noch immer haben die Neurobiologen keinen Beweis, dass das, was sie im Gehirn beobachten auch das Bewusstsein ist. Sie stellen nur Beziehungen zwischen bewusst erlebten geistigen Vorgängen (Wahrnehmen, Denken, Vorstellen, Erinnern, Fühlen, Wollen) und dem Geschehen in den Nervenzellen her. Das Bewusstsein selbst  ist damit noch nicht greifbar. Viele nennen aber den Verdacht, dass das Bewusstsein ein Produkt des Gehirns ist.

Wir können uns also noch in Spekulationen ergehen. Eine große Hürde für unser Denken ist dabei z. B. der Umstand, dass Bewusstsein aus Materie heraus entstanden wäre, sollten die Nervenzellen es durch ihre Interaktion erzeugen. Für uns, die wir über Jahrtausende gewohnt sind, in dualistischen Kategorien zu denken, ist dies eine große Herausforderung. Da fällt die Vorstellung einer göttlichen Instanz noch deutlich leichter.

Vielleicht retten uns Physik und Mathematik. Manches weist darauf hin, dass wir in mehr als nur drei Dimensionen plus der Zeit leben. In einer mehrdimensionalen Realität werden hochkomplexe Formeln zur Beschreibung unserer Welt plötzlich ganz einfach. Vielleicht sind unsere vertrauten drei Dimensionen nur ein Ausschnitt unserer Existenz und solche Phänomene wie Bewusstsein, Seele, Götter, Wiedergeburt etc. finden eine ganz einfache Erklärung, wenn man dem Ganzen nur die eine oder andere Dimension hinzufügt.

Diese Vorstellung stößt allerdings ebenfalls an die Grenzen unserer Ratio.

 

Das Bild „face-623315_640.jpg“ hat den Titel: „gesicht-seele-kopf-rauch-licht-623315″ und stammt von der kostenlosen Bilddatenbank pixabay.com. Vielen Dank an den Fotografen.

Die alten Netzwerke bleiben erhalten

Bei meinen Bücherstudien verdichtet sich mehr und mehr der Eindruck, dass die im Laufe der eigenen Geschichte im Unbewussten aufgebauten Vernetzungen kaum veränderbar sind. Vor allem was in den ersten Lebensjahren entstand, scheint sehr stabil. Das ist logisch, weil damals das Fundament des eigenen Lebensgebäudes gelegt wurde.

Allerdings herrschte in der Psychotherapie lange Zeit eine gegenteilige Annahme. Es war gängige Überzeugung, dass man sich dem Alten zuwendet, sich erinnert und versteht was da gelaufen war und danach Wege sucht, es von nun an anders zu machen. Manche arbeiteten auch in der Überzeugung, dass allein das Erinnern und der andere Blick auf die Geschichte Veränderungen erzeugen würde.

Freud ließ seine Patienten frei assoziieren, d. h., entspannt liegend ihre aktuellen oder zurückliegenden seelischen Regungen rückhaltlos aussprechen, damit ins Unbewusste verdrängte Inhalte wieder bewusst würden. Er fasste diese Technik in die Kurzformel: „Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten“. Ein wichtiger Aspekt des Durcharbeitens ist dabei die Deutung, also das Verstehen der Vergangenheit.

Die kognitive Verhaltenstherapie arbeitet mit der Annahme, dass jeder Mensch über seine Vorstellungen und Gedanken (Kognitionen) sein Erleben und Verhalten positiv oder negativ beeinflussen kann. Denkfehler wie z.B. die Einstellung „Ich muss perfekt sein“ führen demnach zu Anspannung und negativem Selbsterleben. Über die Bewusstmachung selbstschädigender innerer Überzeugungen (=Gedankenfehler) und die Einübung von hilfreichen Bewältigungsstrategien könne man lernen, mit belastenden Situationen anders als bisher umzugehen.

Hier verbirgt sich die Annahme, dass die Gedankenfehler die Ursache des Erlebens und Verhaltens sei. Tatsächlich sind diese lediglich die Folge von tief im Unbewussten ablaufenden Programmen und Mustern. Die Hirnchemie wird aufgrund von Lebenserfahrungen so einreguliert, wie es angemessen scheint, bei manchen ist das eben ein depressiver Zustand. Das negative Denken ist daher kein Fehler, sondern ein stimmiger Ausdruck.

Tatsächlich sind die Möglichkeiten von den kognitiven Zentren im bewussten Cortex die subcortikalen emotionalen Zentren zu beeinflussen sehr gering. Die gewünschte Veränderung der eigenen Person durch das Errichten von positiven Gedankengebäuden funktioniert daher nicht. Ein, durch die eigene Erfahrung entstandenes, neuronales Netzwerk lässt sich so nicht verändern.

Dennoch wirkt Therapie, aber offenbar auf eine ganz andere Weise als sich das viele Theoretiker lange Zeit zusammengereimt haben. Es ist das Miteinander von Therapeut und Patient, das eine heilsame Kraft entfaltet, ganz unabhängig davon, welcher therapeutischen Schule der Profi entstammt. Therapeutische Allianz ist der Begriff, der sich zunehmend als das eigentliche Heilmittel erweist.

Zumindest bei allen tiefer gehenden seelischen Erkrankungen braucht es dieses Miteinander, um etwas erreichen zu können. Da wo sich Lebenserfahrungen tiefer in die Person eingraviert haben – weil sie mit starken negativen Emotionen einhergingen – geht ohne diesen mitmenschlichen Faktor nichts.

Hier zeigt sich, dass wir Menschen nur dadurch Menschen sind, dass wir uns aufeinander beziehen, also miteinander leben. Ein Mensch ohne andere Menschen wäre kein Mensch. Auch der Eremit ist innerlich auf die abwesenden anderen bezogen. Von diesen grenzt er sich ab und zieht sich zurück.

In einer guten therapeutischen Allianz entstehen neue Erfahrungen, die als neue Bahnungen im Gehirn neben den alten Strukturen gespeichert werden. Sollten die alten Themen berührt werden, wirken die neuen Bahnungen hemmend und können so den Rückfall in alte Verhaltens- und Erlebensweisen bremsen.

So kann auch ein kognitiver Verhaltenstherapeut therapeutische Besserungen erreichen. Scheinbar gelingt es über die Formulierung neuer positiver Kognitionen, tatsächlich vielleicht nur, weil zwei Mensch miteinander ein Feld aufbauen, in dem beide sich so angenommen und gewertschätzt fühlen , dass neue Erfahrungen entstehen können.

 

Foto: ROLFVOLKER, „Spinnennetz 2“, CC-Lizenz (BY 2.0)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Das Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de, vielen Dank an den Fotografen.

Der individuelle Schlüssel

Ich will zur Abwechslung mal wieder ganz konkret werden. Wenn man unbewusste Strukturen beeinflussen will, muss man immer die individuelle Person betrachten. Jede noch so wahre allgemeine Formulierung bleibt wirkungslos, weil sie an den persönlichen Gegebenheiten vorbeigeht. Schauen wir also auf ein konkretes Beispiel:

Vor mir sitzt ein Mann mittleren Alters und klagt darüber, dass er schon seit Jahren vergeblich versucht sein Übergewicht zu in den Griff zu bekommen.
Es sind etwa 30-40 kg, die er zu viel mit sich herum trägt. Er erzählt und manchmal frage ich nach.

Ich erfahre, dass er schon sein ganzes Leben immer zu dick gewesen sei. Er könne sich jedenfalls an nichts anderes erinnern. Er wisse von Hänseleien in der Schule und auch noch wie es sich anfühlt, wenn er vergeblich versuchte im Sport mit den anderen mitzuhalten. Auch sonst habe er eher am Rande gestanden und sich nie wirklich dazu gehörig gefühlt. Auf mein Nachfragen hin wird ihm deutlich, dass er ähnliche Gefühle schon aus der Kindheit kannte. Seine Mutter sei zwar immer da gewesen, aber mit ihrer Überängstlichkeit habe er sich nie wirklich gesehen gefühlt. Immer habe sie ihm im Weg gestanden, bei ihren Versuchen ihn vor der Welt zu schützen. Der Vater sei sehr mit sich selbst und der Arbeit beschäftigt gewesen. Die Eltern seien immer irgendwie in Anspannung gewesen, selten herrschte Ruhe und Frieden.

Um etwas verändern zu können muss das gegebene Problem (Übergewicht) als Folge der eigenen Geschichte gesehen und verstanden werden. Nun hat der Mann sicher nicht als Kind gelernt, dass er später mit 40 kg zu viel auf dem Körper durchs Leben gehen muss, aber sein jetziges Lebensgefühl, seine Vorstellung über sich selbst und seinen Platz im Gefüge des Miteinanders, entspricht dem, was er als Kind erlebte. Der Mann soll also lernen, dass er deshalb über sein Übergewicht klagt, weil das sich daraus ergebende Lebensgefühl genau die Qualität hat, die er als seinen Platz in der Welt gelernt hatte.

Im nächsten Schritt geht es um die Frage, wie er hier eingreifen kann. Wie kann er erreichen, für sich selbst ein anderes Lebensgefühl zu bekommen. Das Unbewusste ist gesammelte Erfahrung. Diese kann nur bedingt überschrieben oder gar gelöscht werden, dennoch sind wir nicht vollkommen machtlos, wie viele erfolgreiche Psychotherapien belegen. Jeder Mensch ist lebenslang fähig neue Erfahrungen zu machen. Diese neuen Erfahrungen sollten das enthalten, was in den bisherigen Erfahrungen fehlte. So entstehen neue neuronale Verknüpfungen, die an den alten Erfahrungen vorbei wirken und diese gleichzeitig hemmen.

Was bedeutet das im konkreten Fall?

Unser Beispiel-Mann benennt, welche Erfahrungen ihm fehlten. Die Suche nach seinen Sehnsüchten führt uns zu einer Lebensphantasie, in der Ruhe und Frieden herrscht, er sich als Teil einer Gemeinschaft fühlt und darin auch Verantwortung entsprechend seiner Fähigkeiten übernimmt. Es fällt ihm zum Beispiel leicht, auch in komplexen Situationen schnell einen Überblick zu bekommen. Wir vermuten, dass er neben seiner ängstlichen Mutter lernte, gegebene Sicherheit und Schutzmöglichkeiten zu sehen und die Mutter damit zu beruhigen. Hier hatte er also viel zu früh eine erwachsene Rolle übernommen und die Zuständigkeit mit der Mutter getauscht. Dies hatte die Mutter zwar für sich genutzt, es aber nie wirklich anerkannt. Daher fehlt es ihm, auch in seiner Führungsqualität gesehen zu werden.  Zusammengefasst ergibt sich, dass es ihm fehlt, sich als wertvoller Teil einer Gemeinschaft zu fühlen, darin Verantwortung zu übernehmen und angemessene Beachtung zu erleben.

Dies ist seine individuelle Schlüssel-Information, die zum Ausgangspunkt für seine neuen Erfahrungen werden soll. Jetzt geht es darum, diesen Schlüssel zu verwenden.

Es folgt etwas überraschend Einfaches. Den meisten Menschen ist es daher auf Anhieb möglich, diesen Schritt zu gehen. Die Aufgabe besteht darin, in sich zu gehen und eine Fantasie zu entfalten, in der man genau das erlebt, was im eigenen Leben bisher fehlte. Im konkreten Beispiel fantasiert sich der Mann in eine Gemeinschaft in der er Verantwortung hat und beachtet wird. Dabei soll er beachten, sich nicht ablenken zu lassen und innerlich in Probleme abzugleiten. Sollte irgendeine Person nicht in diese Gemeinschaft hineinpassen, wird sie einfach ausgewechselt. Ergeben sich Schwierigkeiten in der Fantasie, wird diese neue aufgebaut. So, dass diese Schwierigkeiten nicht entstehen können. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass man darin vollkommen frei ist und dass das einzige Ziel ist, die Gefühle zu erleben, die entstehen, wenn endlich das da ist, wonach man sich so lange gesehnt hat. Dieses Gefühl hat eine heilende Wirkung. Es öffnet Türen in ein anderes und vermutlich besseres Leben.

Die Fantasien sind nur ein erster Schritt. Sie sollen wiederholt und auf- und ausgebaut werden. Sie dienen als Vorlage für Erfahrungen in der Wirklichkeit. „Wo finden Sie solche Gefühle noch in Ihrem Leben“, lautet vielleicht die Frage oder als Aufforderung: „Suchen Sie solches Erleben.“

Manche schaffen diese Fantasien zunächst nur mit dem Therapeuten und kriegen es allein noch nicht hin. Haben Sie keinen Therapeuten, der das mit Ihnen machen kann? Nehmen Sie einen Freund oder Freundin als Ersatz. Das wirkt manchmal sogar noch besser.

Das obenstehende Foto ist von Marcin Wicharyaus von der Webseite pixabay.com. Vielen Dank an den Fotografen.