Zeitumstellung und das Unbewusste…

Getriebe

Hat die heute, am 29. März stattfindende Zeitumstellung etwas mit meinem Thema „über das unbewusste“ zu tun? Ja, finde ich! Die Zeitumstellung ist für mich ein Beleg für die noch immer herrschende Überzeugung, dass es uns dient, wenn wir uns auf unsere rationale Logik verlassen. Jeder Mensch, der in Kontakt mit seiner Intuition ist – und die könnte man durchaus auch als Unbewusstes benennen – würde niemals etwas derartiges, wie diese Sommerzeit-Anpassung installieren. Es ist die Arroganz der Ratio, die so etwas zustande bringt. Selbstverständlich gibt es Argumente dafür. Die haben aber alle etwas mit Zeitmanagement, Leistungsverbesserung, Ökonomisierung und Ähnlichem zu tun. Die gegebene Helligkeit besser auszunutzen, weniger Energie für Beleuchtung etc. zu brauchen.

Der Mensch ist ein zutiefst rhythmisches Wesen. Wir atmen in einem, an unseren jeweiligen Aktivitätsstatus, genau angepassten Atemrhythmus. Unser Herz schlägt genauso angepasst an das, was wir gerade tun. Darüber hinaus schlafen wir in einem Rhythmus, der etwas mit der Geschwindigkeit der Drehung der Erde zu tun hat. So wie die Meere sich im Takt der Bewegung von Sonne und Mond und Erde heben und senken, so wirken diese Kräfte auch auf jeden einzelnen. Das alles hat sich im Laufe von 100-tausenden von Jahren eingependelt. Wenn wir jetzt daherkommen und in dieses feine System mit einem groben Hebel hinein wirken und von einem Tag auf den anderen 1 Stunde hinaus und später wieder hinein drücken, hat das nichts mehr mit Natur und körperlich/seelischer Stimmigkeit zu tun. Es ist genauso entfremdet, wie beispielsweise die Schichtarbeit. Es gibt kaum ein effektiveres Mittel, Menschen energetisch auszubluten. Ein Schichtarbeiter, der dies noch nicht bei sich bemerkt, ist entweder sehr jung und verfügt damit über scheinbar unerschöpfliche Kraftreserven oder macht diese Art der Arbeit noch nicht lange mit.

Ich bemerke bei mir selber schon seit vielen Jahren, dass diese Zeitumstellung tief in meine körperliche und seelische Selbstregulation eingreift. Ich brauche eine Woche oder mehr, um mich neu zu justieren und mit jedem Lebensjahr wird diese Zeit etwas länger. Von vielen in meiner Umgebung habe ich Ähnliches gehört und aktuell steht in der Zeitung, dass etwa 50 % diese Zeitumstellung nicht mehr wollen und in einem anderen Medium habe ich sogar eine Zahl von 75 % wahrgenommen. Warum haben wir nicht längst eingegriffen und sind wieder zur natürlichen, kontinuierlichen Veränderung des Sonnenstandes zurückgekehrt. Ich denke, weil in unserer Gesellschaft nach wie vor Kräfte regieren, denen alles andere wichtiger ist als das, was wir von Natur aus sind.

Dazu passt, dass mir gerade ein Vortrag über die Giftigkeit von Plastik und WLAN begegnet ist. Auch hier konstruieren wir uns eine Welt, die uns früher oder später umbringt, sollte uns die Anpassung an die mehr und mehr lebensfeindlichen Umweltbedingungen nicht gelingen.

Schon öfter benannt, wiederhole ich es dennoch: Jüngere neuro-wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass das Bewusstsein nur eine nachgeordnete Instanz ist. Tatsächlich entscheidet im überwiegenden Fall das Unbewusste wo lang es gehen soll.

Wenn das, was wir mit vermeintlicher Ratio vermeintlich entscheiden, tatsächlich einer unbewussten Leitlinie folgt, wirft dies ein interessantes Licht auf diese Leitlinie. Wo strebt diese eigentlich hin?

In der Psychotherapie erschließen wir das Unbewusste einer Person, indem wir auf ihre unmittelbare Vergangenheit und Gegenwart schauen. Das was wir dort fort finden, war das, was das Unbewusste wollte. Vielleicht gilt das auch für eine ganze Gesellschaft. Das Ergebnis wäre erschreckend. Denn tatsächlich leben wir als Gesellschaft entfremdet von Körper und Seele und zeigen eine deutliche Tendenz uns die Lebensgrundlage zu nehmen. Energievorräte werden rasant verbraucht und Umwelt wird ebenso rasant zerstört.

Diese Tendenz ist noch immer ungebrochen, auch wenn es hier und da Gegenbewegungen bzw. Bremsmanöver gibt. Haben wir also unbewusst die Nase voll von diesem Sein? Sind wir schon auf dem Wege ins Aus?

Wenn das so ist, wird es Zeit Möglichkeiten zu finden, dieses gesellschaftliche Unbewusste zu verändern. Wenn es die Summe des Unbewussten jedes einzelnen Menschen ist, liegt es auch in der Hand jedes einzelnen. Was ist also zu tun?

Ich bleibe dran…

Foto: hrohmann, „Getriebe“, CC-Lizenz (BY 2.0)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

2 Gedanken zu „Zeitumstellung und das Unbewusste…“

  1. Vielen Dank für den Hinweis auf change.org.
    Danke auch für Ihren Kommentar, zu dem ich gerne etwas antworten möchte.
    Ich hoffe Ihnen nicht zu nahe zu treten, aber in den Aussagen über Ihre Selbstregulation spiegelt sich die weit verbreitete Annahme, dass das Bewusstsein Herr/Frau im eigenen Hause ist, das man also mit dem Bewusstsein sein Leben nach eigenen Wünschen gestalten könnte. Neuere Studien sprechen aber eine andere Sprache.
    Das, was Sie als „dann wäre ich nicht so wach und aufmerksam wie ich bin“ formulieren, ist nach meiner Überzeugung eine Vorgabe aus Ihrem Unbewussten, entstanden (meist in der Kindheit) als Ergebnis von Lebenserfahrungen. In Ihren Worten finden sich auch mögliche Gründe, z.B. in „würde ich vielleicht ein Schäfchen von vielen sein..“ Und auch ihr: „ein bewusstes Leben zu führen ist auch Ackerei“ kommt aus der gleichen Ecke. Ich könnte das vertiefen, würde es aber nur mit Ihrer Erlaubnis tun, vielleicht auch weniger öffentlich. Auch sich selbst bewusst zu kontrollieren, kommt aus dem Unbewussten, wenn sich dies als wichtige Leitlinie fürs Leben erwiesen hat.
    Wir leben schon einige Generationen mit dem Bewusstseins-Dominanz-Irrtum. Entsprechend tief ist das in uns verankert. Aber es ist nicht wahr. Wir können manches mit unserem Bewusstsein anstellen, aber alles was die eigene Person und Persönlichkeit angeht ist bei den meisten bereits in der frühen Kindheit angelegt. Ziel meines Blogs ist es, dafür ein Bewusstsein zu schaffen. Denn verändern kann man nur etwas, wenn man weiß, was tatsächlich geschieht.
    Reinhardt Krätzig

  2. …..ich finde change.org eine gute Adresse für die 75 % (von was?) Menschen die diese künstliche Zeitumstellung nicht möchten….
    Das wäre ein ganz praktischer Ansatz und hätte eventuell,vielleicht Chance auf Veränderung – schafft auf jeden Fall eine gegen Öffentlichkeit.
    Zum Unbewussten: Nun kenne ich neuste Neurobiologische Untersuchungen nicht, als praktischer Mensch mit Sinn und Verstand und vielen unterschiedlichen Lebenserfahrungen definiere ich jetzt gerade mein Bewusstsein auch als eine Kontrollinstanz über mir noch unbewusste Aspekte meiner selbst. Das sind Z.B angelernte Glaubensmuster, alte Wertvorstellungen, Denkstrukturen und so weiter. Würde mich das Unbewusste führen wäre ich nicht so wach und aufmerksam wie ich bin. Würde ich vielleicht ein Schäfchen von vielen sein und sagen ich kann ja nichts tun. Ein Bewusstes Leben zu führen ist auch Ackerei und bedeutet auch viele übliche Formen von beschäftigt werden-sein zu lassen- nicht mitzumachen um Raum für eigene Gedanken und Gefühle zu haben.

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