Warum einem ausgerechnet zu Weihnachten immer wieder die eigene Kindheit auf die Füße fällt.

Gefangen in der persönlichen Tradition.

Weihnachten feiern wir jedes Jahr, genauso wie Ostern, den Geburtstag und viele andere Anlässe. Da sind wir traditionell-konservativ und diese kleinen Auszeiten haben auch ihr Gutes, aber bereiten auch einiges an Lasten.

Das liegt oft daran, dass auch die eigene Psyche eher konservativ funktioniert und sich ziemlich rigide an ihre eigenen Traditionen hält. Mit anderen Worten: wir Menschen greifen bei unserem Handeln sehr oft auf persönliche, alte Erfahrungen zurück. Das ist ausgesprochen praktisch und funktioniert sehr viel schneller, als wenn wir jedes Mal erst mit dem bewussten Verstand alles bedenken würden. Stellen Sie sich vor, sie würden ihr Handy nicht aus der Erinnerung heraus bedienen, sondern jedes Mal erst darüber nachdenken müssen, wie man einen Anruf annimmt, wie man eine App öffnet usw. Auch dass wir zu Weihnachten einen Weihnachtsbaum brauchen, vielleicht eine Gans (oder anderes traditionelles Essen) brauchen wir nicht erst lange zu überlegen, es ist in unserem Kopf bereits mit dem Weihnachtsfest verbunden und wird ganz von allein seinen Weg auf den Einkaufszettel finden. Nur 2-3% unseres Handelns entscheiden wir mit unserem Bewusstsein. Weil Bewusstsein viel Energie kostet ist das vollkommen ökonomisch, es spart Energie. Das ist die gute Seite von dem Ganzen.

Es gibt auch eine schlechte und die hat etwas damit zu tun, dass wir genauso schnell – eigentlich viel schneller – auch auf belastende Erfahrungen zurückgreifen, wir dann entsprechend handeln und uns diese Handlungsweisen oft den Tag versauen. Mit belastenden Erfahrungen sind in der Regel solche aus der Kindheit gemeint. Ich weiß, viele sind noch immer der Meinung, schon lange die eigene Kindheit weit hinter sich gelassen zu haben. Aber weit gefehlt. Sie begleitet jeden von uns auf Schritt und Tritt. Und insbesondere zu solchen Anlässen wie Weihnachten kommt sie uns besonders nahe. Nicht nur wegen der Erinnerungen an die guten Momente, sondern auch wegen der unbewusst ablaufenden Rückgriffe auf den Stress der Kindheit.

Wir sind so konstruiert!

Dieses Geschehen hat etwas damit zu tun, wie unser Gehirn gebaut ist. Allein von der Konstruktion her wird jeder neuronale Input zunächst von den unbewussten Systemen der eigenen Psyche verarbeitet. Dies funktioniert wie eine Suchmaschine. Es wird danach gesucht, ob man bereits Erfahrungen hat, die zu diesem gerade erfolgten Input passen.

Existieren zu dem gerade Wahrgenommenen bereits Erfahrungen greift die Psyche auf diese zurück. Da kann man gar nichts gegen machen, weil das Bewusstsein bei diesem Prozess überhaupt keine Rolle spielt. Es wird erst einen Moment später einbezogen. Bis dahin vergehen etwa 0,4 bis 0,6 Sekunden. Inzwischen sind bereits die alten Erfahrungen aufgerufen und sind als Grundlage für das aktuelle Handeln, Fühlen und Denken in das Bewusstsein eingespeist. Diese Vorgabe wird ohne jeden Widerstand akzeptiert. D. h. von einem Moment auf den anderen befindet man sich – auf der Ebene des Handelns – in irgend einem Moment der eigenen Kindheit und agiert entsprechend. D. h. nicht, dass man jetzt vielleicht wie ein Kind nicht mehr richtig sprechen kann oder sich unbeholfen bewegt. Der Zugriff auf die alten Erfahrungen bedeutet nur, dass die Grundlinie des Handelns den alten Erfahrungen entspricht. Bewegen, sprechen, handeln tut man wie ein Erwachsener. Greift man aber auf unangenehme Erfahrungen zurück, befindet  man sich jetzt in einer Welt, in der man gerade – zum Beispiel – ungerecht behandelt wird, einen keiner liebt, einem nicht zugehört wird usw. Das fühlt sich dann auch genauso an wie damals.

Warum merkt man so etwas nicht sofort und macht etwas dagegen?

Weil es ständig geschieht. Wir schalten ununterbrochen auf alte Erfahrungen zurück und schalten auch immer wieder zurück in die Gegenwart. Allerdings gibt es mit dem Zurückschalten oft ein Problem. Denn es fällt besonders schwer, wenn man auf unangenehme Erfahrungen zurück gegriffen hatte. Denn die Verhaltensweisen, die aus solchen Erfahrungen abstammen, haben die Tendenz sich zu verstärken und zu erhalten. Das ist ungefähr so, als wenn Sie durch eine rote Brille sehen und dann alles nur noch als rot erleben. Hat man – zum Beispiel – das Gefühl, dass man ungerecht behandelt wird, dann wird man diese Ungerechtigkeiten mit Argusaugen überall entdecken. Manchmal wird man sie sogar da sehen, wo sie definitiv nicht da sind. Wir können unserer Wahrnehmung in dieser Hinsicht überhaupt nicht trauen. Deswegen hört die schlechte Stimmung zu Weihnachten auch nicht mehr auf, sondern zieht sich durch die Tage – bis man wieder durch Arbeit und Alltag abgelenkt wird – oder man bewusst und zielgerichtet gegensteuert. Wie das geht steht weiter unten.

Wie kommt man aus den schlechten Gefühlen heraus?

Wenn man in dem Gefühl durch den Tag geht – zum Beispiel -, dass alle ungerecht mit einem sind, wartet man scheinbar darauf, dass endlich mal jemand gerecht mit einem ist.  Weit gefehlt.

Tatsächlich ist man in so einem Zustand überhaupt nicht offen dafür, dass etwas Positives geschieht. Vielmehr lebt man in der Illusion, sich in einer ungerechten Welt zu befinden und das bedeutet, dass man auch nur dafür offen ist, dass diese Welt ungerecht ist. Das bedeutet auch, dass man selber sehr viel dazu beiträgt, dass es auch genauso abläuft.
Wenn man das nicht mehr will, muss man aus diesem Seinszustand – aus dieser Illusion – aussteigen. Das heißt, man muss in eine Befindlichkeit umschalten, in der man sich sicher fühlt.

Sicher?

Was hat jetzt Sicherheit mit der Ungerechtigkeit zu tun? Sicherheit ist tatsächlich die Lösung, gleich welches gerade Ihre psychische Last ist. Das ist bei uns Menschen so. Sind wir in einem sicheren Status, fühlen uns also sicher, liegt uns alles belastete Erleben fern. Das bedeutet umgekehrt auch, dass wir uns nicht sicher fühlen, wenn wir innerlich belastet sind. Hier geht es um eine ganz feine Nuance von Sicherheit. Unsere Psyche kann in einem Gefahrenmodus sein, auch wenn wir fernab von Kriegsgeschehen, Kriminalität und sonstigen Gefahren sicher mit unseren Lieben in unseren vier Wänden sitzen. Denn wir brauchen nur an etwas Unangenehmes denken, sei es aus der Vergangenheit oder aus der Zukunft, um unsere unbewusste Psyche in einen Gefahrenmodus umzuschalten. Vielleicht schwelt noch der Streit von gestern oder eine zu große Fülle von Aufgaben setzt einen unter Druck. Unmerklich vielleicht, aber dennoch da. Vielleicht spürbar anhand einer Unruhe, negativer Gedanken, Lustlosigkeit, oder einer Müdigkeit/Erschöpfung, der man nicht nachgeben kann oder möchte.

Wie kommt man psychisch in Sicherheit?

Das ist einfach. Wir Menschen können auf eine einfache Weise innerlich in Sicherheit kommen. Wir brauchen dazu nur einen anderen Menschen. Wenn sich dieser Andere uns freundlich, zugewandt und vielleicht sogar interessiert und offen zuwendet, schaltet unsere unbewusste Psyche meist sofort in einen sicheren Modus. Zumindest geschieht dies bei mehr oder weniger normalen Menschen. Jemand, der gelernt hat, anderen zutiefst gegenüber misstrauisch zu sein, wird sein Misstrauen vermutlich nicht sofort aufgeben.

Faszinierend ist, dass dieses Umschalten in einen sicheren Modus schon funktioniert, wenn wir uns diesen freundlichen Mitbürger nur in unserer Fantasie vor Augen halten. Und wenn Sie sowieso schon in ihren Erinnerungen herumkramen, picken Sie doch bitte gleich solche heraus, in denen Ihr Gegenüber ganz besonders freundlich, liebevoll und zugetan war. Das darf dann auch die Beziehungspartnerin sein, mit der man sich gerade im Stress befindet, die aber in der Erinnerung noch ganz andere Seiten zeigte.

Sie verfügen nicht über solche Erinnerungen? Vermutlich sind Sie gerade in einem Streßzustand, ansonsten würden es Ihnen wahrscheinlich leichter fallen. Aber wenn Sie gerade keinen Zugang zu positiven Erinnerungen haben, schaffen Sie sich doch welche. Denn auch mit einer Fantasie funktioniert das Ganze.

Was hat das mit Weihnachten zu tun?

Weihnachten bietet sehr viele Gelegenheiten, innerlich in einen Stressmodus umzuschalten. Da ist nicht nur der Stress der Vorbereitung, sondern da sind auch die Erwartungen, die man selber hat und auch die, die andere einbringen. Je höher die Erwartungen, desto größer wird die Gefahr von Enttäuschungen. Man braucht schon eine ganze Menge an innerer Ruhe, um sich nicht in den Strudel des Negativen ziehen zu lassen.

Gleichzeitig wird aber überall das Positive des Weihnachtsfestes propagiert. Lieder werden gesungen, sie handeln von Liebe und Sicherheit und Heil, Lichter leuchten und in der Werbung sieht man überall lächelnde Menschen. Mein Vorschlag: Lassen Sie sich davon doch öfter mal dazu animieren, sich innerlich an Momente zu erinnern, in denen Sie tatsächlich inneren Frieden und Ruhe erlebt hatten. Wichtig: Hier zählen nicht die Momente, die Sie mit sich alleine genießen konnten. Damit die eigene Psyche wirklich in einen sicheren Modus umschaltet, gehören dazu andere Menschen! Genau die, mit denen Sie gemeinsam Ruhe und Frieden und eben diese Sicherheit erlebten.

Ich verlange hier von Ihnen keine stundenlangen Meditationen. Für den Zweck, den ich hier anstrebe reicht es, immer wieder mal für kurze Momente von Sekunden bis 1-2 Minuten in solche guten Momente einzutauchen. Wenn Sie das genügend oft machen, wirkt das als wären Sie mit einem unsichtbaren Schutzanzug versehen. Stress und Hektik werden weniger und weniger zu ihnen durchdringen.

Zum Schluss noch einige Buchempfehlungen

Wenn Sie zu diesem Thema noch ein bisschen mehr wissen wollen und vielleicht auch ergründen wollen, welche Themen Ihnen persönlich ganz besonders Stress bereiten und was Sie dagegen tun können, empfehle ich Ihnen folgende Bücher.

Zu dieser Thematik sind alle drei Bücher von mir geeignet, die sich mit dem „Schlüssel zur Psyche“ befassen. Im großen praktischen Teil dieser Bücher, erfahren Sie, welches die schwierigen Themen in Ihrer Psyche sind. Gemeint sind die, bei denen Sie am tiefsten in belastete Zustände stürzen und am schwersten wieder heraus kommen. Mit diesem Wissen können Sie dann – Sie werden detailliert angeleitet – Ihren eigenen „Schlüssel zur Psyche“ finden. Vielleicht klingt dieser Name etwas großspurig. Aber mir hatte sich diese Bezeichnung aufgedrängt nachdem ich immer wieder gesehen habe, wie grundlegend sich die Stimmung in meinem Gegenüber ins Positive veränderte, wenn die Person den eigenen Schlüssel zur Psyche anwendete. Diese Wirkung ist nicht nur im Moment, sondern hat bei Wiederholung auch eine positive Wirkung auf die gesamte Psyche des Anwenders. Man gewöhnt der eigenen Psyche ab, zur Steuerung der Person immer wieder auf die ungeliebten Belastungsmuster der Kindheit zurückzugreifen.

Die drei Bücher vermitteln alle dieselbe Technik, tun dies aber mit Beispielen aus verschiedenen Lebensbereichen.

  1. „Neue Lösungen für vertraute Probleme“ ist das Grundwerk und bietet Beispiele aus verschiedenen Lebensbereichen. Der Titel deutet bereits an, dass die meisten Probleme, auf die man immer wieder trifft, etwas mit der eigenen Person zu tun haben und dass man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss, wenn man diesen Problemen wirklich entkommen will. Beispiele sind: immer wieder zu spät zu kommen, Aufgaben vor sich her zu schieben, sich zu sehr in die Arbeit zu verstricken, sich nicht hinreichend abgrenzen zu können von Aufgaben oder Menschen etc. Der „Schlüssel zur Psyche“ ist ein effektiver Weg um solchen Problemmuster zu entkommen.
  2. „Abnehmen-Mit dem Schlüssel zur Psyche“ hat wie der Titel schon sagt im Fokus, mit dem Schlüssel zur Psyche dazu beizutragen, die psychischen Aspekte auszuräumen, die es in Ihnen bisher verboten haben, effektiv auf das eigene Gewicht einzuwirken. Die psychischen Aspekte sind tatsächlich ein sehr wesentlicher Aspekt eines Übergewichts. Menschen tun nichts ohne Grund. Auch wenn Übergewicht meist entsteht, wenn man zu viel isst, hat es auch Gründe, warum man dies tut. Wie Sie diese Hintergründe erschließen können, steht auch in dem Buch.
  3. „Ein Paar sein und bleiben, Teil zwei“. Hier geht es speziell um die Probleme im Miteinander. Zunächst bekommen Sie eine verständliche Einführung, warum und wie sich die Probleme im Miteinander entwickeln. Dann folgt ein praktischer Teil, in dem Sie herausfiltern können, welches die eigenen problematischen Stellen/Bereiche/Themen in Ihrer Psyche sind und finden dazu Ihren persönlichen Schlüssel zur Psyche. Dieser schützt Sie davor, sich im Paar-Alltag miteinander negativ zu verstricken und hilft Ihnen, die Paarbeziehung auf einen stabilen Boden zu stellen.

Hier noch ein letzter Tipp.

Ihr persönlicher Schlüssel zur Psyche ist das Mittel, um sich im Vorfeld auf schwierige Situationen vorzubereiten. Gut wäre, ein paar Wochen vorher anzufangen, um schon ein bisschen Übung mit dem eigenen Schlüssel zu haben. Wenn man schon mittendrin in einer belasteten Stimmung ist, hilft eine andere Technik. Ich rede von der „Feel Free Technik“ (FFT).  Die Feel Free Technik ist ein mit Elementen der Hypnose arbeitender Ansatz, um auf kürzestem Wege aus einem belasteten Zustand wieder herauszukommen. Wie das geht, wird im Buch eingehend behandelt. Die „Feel Free Technik“ (FFT) wird anhand vieler Beispiele detailliert erarbeitet. Diese Technik lernen Sie bei mir in zwei Büchern:

  1. „Mir geht es wieder gut“
  2. „Ein Paar sein und bleiben, Teil 1“

Ich wünsche Ihnen stressfreie Momente – so oft wie möglich.

Ihr Reinhardt Krätzig

Wenn Sie noch mehr über die Bücher erfahren wollen, können Sie auf meiner Webseite stöbern: www.reinhardt-kraetzig.de

Oder Sie schauen direkt bei Amazon, hier auf meiner Autorenwebseite – von dort finden Sie zu allen meinen Büchern

 

 

 

Das Bild (beere-zweig-weihnachten-1867135) stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank pixabay.com. Vielen Dank dafür.

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